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Verteidigung

20.02.2003

Berlin, den

In der Strafsache

./. Harald Glöde u.a.

2 StE 11/00 (4/2000)

beantragen wir die Einholung eines Sachverständigengutachtens durch einen Sachverständigen der PTU zu Feststellungen zur Reißfestigkeit von Klebeband, Müllsack und transparentem Kunststoffbeutel.

Der Sachverständige wird in seinem Gutachten anhand der Lichtbildmappe Bd.40, Blatt 20 bis 22 und 33 bis 35 sowie der Untersuchung des asservierten Müllsackes , des transparenten Kunststoffbeutels und des asservierten Klebebandes zu folgendem Ergebnis kommen:

  1. In dem etwa 45 cm langen Päckchen, in durchsichtigem Klarsichtbeutel verpackt, mittels Draht verschlossen, und dieser mit blauem Müllsack mit Paketklebeband umklebt befanden sich 24 Stangen mit der Aufschrift Gelamon 40. Ein Kopfbereich dieses Päckchens war auf einer Größe 10 bis 12 cm am Aussen- und Innenbeutel beschädigt. Das Klebeband war an dieser Stelle zerrissen.
  2. Die Aufrisstellen sind nicht durch Tiere verursacht,
  3. Sie sind nicht durch vorbeifliessende Gegenstände wie z.B. Äste entstanden,
  4. nicht beim Einwerfen durch den Aufprall auf einen festen oder spitzen Gegenstand,
  5. nicht durch die von PM Golde bei der Bergung verwendete Mistforke,
  6. sondern durch mutwilliges Aufreissen durch Menschen.

Begründung:

Der Sachverständige wird anhand der Fotos und bei genauer Untersuchung der asservierten Gegenstände feststellen, dass sämtliche Merkmale fehlen, die auf Tierfraß oder Tierkrallen schließen lassen.

Auch lassen sich keinerlei Spuren feststellen, die von der von PM Golde bei der Bergung eingesetzten Forke stammen.

Die Risse an den Plastiksäcken und am Klebeband sind durch stumpfe Gewalteinwirkung hervorgerufen worden, wie sie einzig durch mutwilliges Aufreissen zu erklären sind. Dabei ist die aufgewendete Kraft so groß , dass das Aufreissen nicht durch vorbeifliessende Gegenstände in einem Gewässer mit geringer Fliessgeschwindigkeit verursacht werden können, schon gar nicht in der Zeit, in der sich das Paket in einer Dünnschlickschicht befunden hat, da dort die Fließgeschwindigkeit auf Null herabgesunken ist. Die Beschädigungen am Paket sind eindeutig Aufreissspuren und keine Aufplatzspuren.

Die Beweiserhebung ist erforderlich, da die bisherigen Gutachten nicht eindeutig klären konnten, wann das Paket in den Seegraben eingeworfen wurde und wie lange es dort gelegen hat. Damit verbleibt es bei dem Gutachten des Sachverständigen Kolla der festgestellt hat, dass aufgrund des Zersetzungszustandes des sichergestellten Sprengstoffes, die Beschädigungen am Paket erst bei Bergung oder maximal 28 bis 40 Tage vor der Bergung erfolgten. Das bedeutet, dass die Beschädigungen innerhalb der 48 Tage nach Haftentlassung des Zeugen Tarek Mousli entstanden sind. Die beantragte Beweiserhebung wird ergeben, dass die Beschädigungen weder bei der von dem Zeugen Mousli behaupteten Einbringung im März 1995 , noch während der Liegedauer von 4 Jahren bis zur Auffindesituation im Seegraben haben entstehen können.

Dass von einer dritten Person der Sprengstoff an der von Mousli als sicher bezeichneten Einwurfstelle am Parkplatz maximal 40 Tage vor dem tatsächlichen Auffinden durch die Polizei gefunden, aufgerissen und an anderer Stelle wieder entsorgt wurde, ist ausgeschlossen, da am 16. und 17. Juni 1999 der Seegraben auf Parkplatzhöhe durch Einsatzkräfte der Polizei/ BGS bereits erfolglos abgesucht wurde. Damit kann ausgeschlossen werden , dass das Paket sichtbar auf dem Schlick gelegen hat. Dass ein unbeteiligter Dritte zufällig nach 4 Jahren im Modder des Seegrabens auf Parkplatzhöhe wühlt und anstelle des BGS das Paket findet ist so fernliegend, dass es hier nicht weiter erörtert werden braucht.

Bliebe nur die Möglichkeit, dass zufällig ein unbekannter Dritter den Seegraben abgegangen ist und an anderer Stelle das Paket gefunden, aufgerissen und dann an der späteren Auffindestelle wieder entsorgt hat. Dies setzt aber voraus, dass das Paket nach 4,5 Jahren immer noch sichtbar auf dem Schlick gelegen hat.. Hiergegen spricht, dass nach Aussage der Zeugen Trede und Barbian sowie des Zeugen Mousli am 8.7.1999 der Seegraben von diesen bis fast zum Lietzengraben, über die spätere Fundstelle hinaus abgegangen wurde und gezielt nach dem Sprengstoffpaket erfolglos gesucht wurde.

Man kann kaum davon ausgehen, dass der unbekannte Dritte den Schlick des Seegrabens durchwühlt hat.

Da durch die beantragte Beweiserhebung nachgewiesen wird, dass das Paket beschädigt eingeworfen wurde und der unbekannte Dritte ausscheidet, wird der Zeuge Tarek Mousli in einem wesentlichen Punkt widerlegt.

Würdinger, Rechtsanwältin
Studzinsky, Rechtsanwältin

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