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Datum:
23.05.2000
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Zeitung:
Neue Osnabrücker Zeitung
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Titel:
Westerkappelner in Kanada verhaftet
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Westerkappelner in Kanada verhaftet
Ein Westerkappelner aus der Bauernschaft Metten sitzt in Kanada
in Auslieferungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen
die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie mehrere
Bombenattentate vor - unter anderem auf die Siegessäule in
Berlin.
Der 46-Jährige soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft während
seiner Berliner Studentenzeit in die linksradikale Szene abgerutscht
sei. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Westerkappelner
von 1985 bis 1993/ 1994 Mitglied der "RZ" war, die für
zahlreiche Bombenattentate verantwortlich gemacht wird. Die Abkürzung
steht für "Revolutionäre Zellen".
Mitarbeiter des Bundeskriminalamt spürten den gebürtigen Westerkappelner
in Yellowknife auf. Eine Stadt in Kanada, in der der Verdächtige
eine Pension betrieben haben soll. Dort wurde er am Donnerstag,
18. Mai, um neun Uhr morgens von der kanadischen Polizei verhaftet.
"Das Auslieferungsverfahren laufe", sagte die Pressesprecherin
der Bundesanwaltschaft, Eva Schübel, am Dienstag, 23. Mai.
Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft: Gemeinsam mit anderen
"RZ-Mitgliedern" soll der Westerkappelner am 6. Februar
1987 einen Sprengstoffanschlag auf die Zentrale Sozialhilfestelle
für Asylbewerber verübt und am 15. Januar 1991 einen Sprengstoffanschlag
auf die Siegessäule versucht haben. Nach Ermittlungen des Bundeskriminalamtes
soll der Westerkappelner darüber hinaus an zwei Schusswaffenanschläge
in Berlin am 28. Oktober 1986 und 1. September 1987 beteiligt gesweesen
sein.
Ob die Verhaftung eines mutmaßlichen Terroristen im April im Zusammenhang
mit dem jetzigen Festnahme stehe, ließ die Bundesanwaltschaft offen.
Beide Beschuldigten sollen die Anschläge zum Teil gemeinsam geplant
und durchgeführt haben.
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