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Datum:
16.06.2001
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Zeitung:
Tagesspiegel
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Titel:
Die Verhandlung beleuchtet Berlins linksradikale Szene der
80er
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Die Vita des Kronzeugen
Die Verhandlung beleuchtet Berlins linksradikale Szene der 80er
Ein nüchternes Nicken in Richtung Anklagebank, ein freundliches
Lächeln zur Vorsitzenden Richterin, und häufig stockt dem Zeugen
der Bundesanwaltschaft die Stimme. Tarek Mousli begegnet an diesem Freitag
im großen Saal am Landgericht Moabit zum ersten Mal der Gruppe, die
er beschuldigt, als Revolutionäre Zellen in den 80er und Anfang der
90er Jahre in Berlin Anschläge verübt zu haben.
Kurz nach halb elf betritt der Kronzeuge mit Bewachern aus dem
Zeugenschutzprogramm den Saal. Seine Augen hinter einer braunen Brille mit
großen Gläsern geschützt, die braune Fönfrisur sieht
nach Perücke aus und nichts an der formalen Sprache, am
lindgrünen Hemd, der grauen Krawatte und der dunklen Businesshose des
mittlerweile 42-jährigen Karatelehrers deutet den politischen
Kämpfer an. Dabei wird hier die linksradikale Szene Berlins der
frühen 80er Jahre verhandelt. In deren Mitte, so der Zeuge in seinen
eigenen Ausführungen: Tarek Mousli.
Unter Anklage der Mitgliedschaft bei den Revolutionären Zellen (RZ)
stehen vier Männer und eine Frau. Sie alle betrachten denjenigen, der
sie beschuldigt, mit fragenden Blicken. Nur einer von ihnen, Rudolf
Schindler, war Tarek Mousli schon vor Gericht begegegnet. Gegen Rudolf
Schindler wurde auch schon bei einem weiteren RZ-Prozess in Frankfurt
(Main) - dem Opec-Prozess - Anfang des Jahres verhandelt. Dort führte
die Aussage Mouslis jedoch nicht zu einer Verurteilung Schindlers, da
andere Zeugen seiner Darstellung widersprochen hatten.
Mousli kennt - wie er betont - alle. Doch ein Blickkontakt kommt nicht
zustande. Ohnehin drehte sich gestern in Moabit erst einmal alles um den
Zeugen; seine Vita, seinen Einstieg in der linksradikale Szene, seine
Kontakte zu den heute Angeklagten.
Um die persönlichen Kontakte Tarek Mouslis wird es vor allem gehen in
diesem historisch-anmutenden Prozess. Die Anklage stützt sich allein
auf Mousli, und so wird das Gericht ergründen müssen, was der
Zeuge weiß, was er wissen könnte, und woran er selbst
tatsächlich beteiligt war. Die Anwälte der Verteidigung wie auch
die Bundesanwälte erwarten deshalb einen sich lang hinziehenden
Prozess. Für die nächsten drei Prozesstage ist der Bericht des
Zeugen, die Befragung durch die Richterin und die Bundesanwaltschaft
vorgesehen. Dann steht die Vernehmung durch die Verteidigung an.
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