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Presse

Datum:
23.03.2001

Zeitung:
Süddeutsche Zeitung

Titel:
Revolutionäre in Zellen

Revolutionäre in Zellen

Bereits zwei Stunden nach Verlesung der Anklage ist der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der "Revolutionären Zellen" vor dem Berliner Kammergericht unterbrochen worden. Das Gericht nahm einen Antrag der Verteidigung an, die eine weitere Prüfung der Besetzung des Gerichtes verlangt hatte. Die Verhandlung soll nun am 29. März fortgesetzt werden.

In dem Prozess, der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begonnen hatte, wird noch einmal ein verworrenes Kapitel des linken Terrorismus aufgeschlagen. Anders als bei der "Roten Armee Fraktion" sind die Struktur, Logistik und Ausbreitung der "Revolutionären Zellen" noch weitgehend unklar. Die Gruppe wurde nach Angaben von Generalbundesanwalt Kay Nehm Ende 1973 gegründet und habe die gesellschaftlichen Verhältnisse in Westdeutschland gewaltsam verändern wollen. Als Symbol verwendete sie den fünfzackigen Stern mit der Inschrift "RZ". Ihre Mitglieder seien meist einem normalen Beruf nachgegangen, nur einige tauchten in die Illegalität ab. Sie lehnten den Zentralismus der RAF ab, ebenso wie Mord als "Mittel revolutionärer Politik". Aber sie hielten sich nicht immer daran. In einem Selbstbezichtungsschreiben hatte sich die Gruppe zu 186 Anschlägen bekannt - 40 davon in Berlin und Umgebung. Diese habe die regionale Unterorganisation mit dem Namen "Berliner Zelle" durchgeführt, so die Staatsanwaltschaft. Der bislang letzte Sprengstoffanschlag habe Einrichtungen und Fahrzeugen des Bundesgrenzschutzes in Frankfurt/Oder und Görlitz am 3. Oktober 1993 gegolten

Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 50 und 54 Jahren, seien von 1985 bis 1995 Mitglieder dieser Gruppe gewesen. Ihre Aktionen hätten sich vor allem gegen die Asyl- und Ausländerpolitik gerichtet. So sollen sie 1987 an einem Anschlag auf den damaligen Bundesverwaltungsrichter Günter Korbmacher beteiligt gewesen sein. Korbmacher wurde, wie ein Jahr zuvor der Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, durch Schüsse in die Beine verletzt. Außerdem müssen sich die Angeklagten für Sprengstoffanschläge auf die Berliner Sozialhilfestelle für Asylbewerber und auf die Siegessäule verantworten.

Die vier Angeklagten sitzen bereits seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Sie waren auf Grund der Aussagen eines früheren Mitgliedes der "Revolutionären Zellen" festgenommen worden. Der 42-Jährige wird im Prozess als Hauptbelastungszeuge aussagen.

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