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Datum:
05.04.2001
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Zeitung:
Süddeutsche Zeitung
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Titel:
Schindler soll fünfter Anklagter im RZ-Prozess werden
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Schindler soll fünfter Angeklagter im RZ-Prozess werden
Der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der linksextremen
"Revolutionären Zellen" (RZ) wird möglicherweise
ausgesetzt und im Mai mit dem im Frankfurter OPEC-Prozess freigesprochenen
Rudolf Schindler als weiteren Angeklagten von vorn beginnen. Das Berliner
Kammergericht signalisierte am Donnerstag, dass es einer von der
Bundesanwaltschaft beantragten Verbindung der beiden Verfahren zustimmen
wolle. Die Vorsitzende Richterin Gisela Hennig sagte: "Wenn sich keine
besonderen Umstände ergeben, werden wir aussetzen und verbinden".
Ein Neustart des Prozesses sei im Mai möglich. Eine Entscheidung wird
kommenden Donnerstag erwartet.
Nach dem Freispruch für Schindler in Frankfurt Mitte Februar war es
zu einem juristischen Streit über das Berliner Verfahren gekommen. Das
Berliner Kammergericht hatte die Eröffnung eines Hauptverfahrens um
die Berliner Aktivitäten des 58-Jährigen kurz darauf abgelehnt
und ihn auf freien Fuß gesetzt. Auf Beschwerde des
Generalbundesanwalts hin war dieser Beschluss in der vergangenen Woche vom
Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben und Schindler erneut verhaftet
worden.
Schindler und die weiteren vier Angeklagten, die sich seit mehr als
einem Jahr in Untersuchungshaft befinden, sollen an vier Anschlägen
von Berliner Gruppen der RZ zwischen 1986 und 1991 beteiligt gewesen sein.
Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung sowie das Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen vor. In
Schindler sieht die Bundesanwaltschaft einen damaligen
Rädelsführer. Die Bundesanwaltschaft hatte die Verbindung der
beiden Verfahren, in denen im Wesentlichen identische Vorwürfe erhoben
werden, aus prozessökonomischen Gründen beantragt.
Im Februar hatte das Frankfurter Landgericht Schindler im OPEC-Prozess
freigesprochen. Ihm war Beihilfe an einem Überfall auf die
OPEC-Konferenz 1975 in Wien vorgeworfen worden. Der ebenfalls angeklagte
Terrorist Hans-Joachim Klein war zu neun Jahren Haft verurteilt worden.
Anders als das Berliner Kammergericht hatte der BGH entschieden, dass es
sich bei den Vorwürfen gegen Schindler um mehrere Straftaten handele,
die noch nicht alle Gegenstand des OPEC-Prozesses gewesen seien.
Die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast hatte vor
einem Jahr einen Aufruf unterzeichnet, in dem die Freilassung der
Angeklagten in dem Berliner Prozess gefordert worden sein soll. Auf Antrag
der FDP sollte am Donnerstagnachmittag der Bundestag über Künasts
Unterschrift debattieren.
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