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Presse

Datum:
23.03.2001

Zeitung:
Salzburger Nachrichten

Titel:
Berlin: Prozess gegen vier Mitglieder der "Revolutionären Zellen" vertagt

Schatten linken Terrors

Berlin: Prozess gegen vier Mitglieder der "Revolutionären Zellen" vertagt

Seit ihrer Gründung im Jahr 1973 hat sich die linksextreme Terrororganisation "Revolutionäre Zellen" (RZ) zu mehr als 180 Anschlägen, 40 davon in Berlin und Umgebung, bekannt. Vier mutmaßliche Mitglieder der Terrorgruppe, die nach Ansicht der Bundesanwaltschaft darauf abzielt, die Verhältnisse in Deutschland gewaltsam zu verändern, hätten sich am Donnerstag vor dem Berliner Kammergericht verantworten müssen. Doch der Mammutprozess ist noch vor Verlesung der Anklage vertagt worden.

Die Verteidigung soll zunächst die Gerichtsbesetzung prüfen können. Der Generalbundesanwalt wirft drei Männern aus Berlin und einer Frau aus Frankfurt/Main die Beteiligung an insgesamt vier Terroranschlägen in den Jahren 1986 bis 1991 vor.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begann der Prozess um zwei Attentate auf den früheren Chef der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, und den ehemaligen Richter Günter Korbmacher. Beide waren durch Schüsse ins Bein verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft lastet den Beschuldigten auch Sprengstoffanschläge auf die Berliner Siegessäule und ein Amt für Asylbewerber an.

In dem mit drei Bundesanwälten geführten Prozess müssen sich eine 54-jährige Galeristin und ein früheres Mitglied des Kuratoriums der Technischen Universität Berlin verantworten. Die Anklage richtet sich ferner gegen einen Hausmeister des linken Berliner Kulturzentrums "Mehringhof" und einen Mitarbeiter der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration.

Die mutmaßlichen Terroristen werden laut Verteidigung im Prozess nicht aussagen. Eine zentrale Rolle im Verfahren kommt dem inzwischen als Terroristen zu einer Bewährungsstrafe verurteilten Tarik Mousli zu. Der 42-jährige Karatelehrer hatte die vier Angeklagten als früherer Weggenosse und Kronzeuge der Anklage für die Attentate verantwortlich gemacht. Mousli soll in dem bis August terminierten Prozess unter Begleitung bewaffneter Polizisten aussagen. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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