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Datum:
17.05.2001
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Zeitung:
Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Titel:
Prozeß gegen "Revolutionäre Zellen"
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Prozeß gegen "Revolutionäre Zellen"
Vor dem Berliner Kammergericht wird an diesem Donnerstag nach einer
vierwöchigen Unterbrechung der Prozeß gegen fünf
mutmaßliche Mitglieder der Berliner Revolutionären Zellen
(RZ) fortgesetzt. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage wegen Mitgliedschaft
in einer terroristischen Vereinigung und Herbeiführung von
Sprengstoffexplosionen erhoben.
Dabei handelte es sich um einen Bombenanschlag gegen die Zentrale
Sozialhilfestelle für Asylbewerber in Berlin-Wedding und um
einen Anschlag auf die Siegessäule, der im Januar 1991 verübt
worden war und erheblichen Sachschaden an dem Berliner Wahrzeichen
hinterließ. Das Ziel des Anschlages, den goldenen Engel "Victoria"
von der Siegessäule herunterzusprengen, wurde nicht erreicht,
da nur ein Teil des Sprengstoffs explodierte. Den Angeschuldigten
werden darüber hinaus zwei bewaffnete Anschläge zur Last
gelegt. Im Oktober 1986 wurde dabei der Leiter der Berliner Ausländerbehörde,
Harald Hollenberg, durch zwei gezielte Pistolenschüsse in die
Beine schwer verletzt, im September 1987 verübte ein RZ-Kommando
ebenfalls ein Beinschußattentat auf den Vorsitzenden Richter
am Bundesverwaltungsgericht, Günter Korbmacher.
Das Berliner RZ-Verfahren hatte im März gegen zunächst
vier mutmaßliche Mitglieder begonnen, da einer zur gleichen
Zeit in Frankfurt wegen des bewaffneten Überfalls auf die Wiener
OPEC-Konferenz im Jahr 1975 vor Gericht stand. Nach seinem Freispruch
mangels Beweisen wurde nun das gegen ihn anhängige Verfahren
mit dem Berliner RZ-Prozeß zusammengeführt. Alle fünf
mutmaßlichen Terroristen befinden sich in Untersuchungshaft.
JOCHEN STAADT
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