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Datum:
06.04.2001
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Zeitung:
Berliner Zeitung
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Titel:
Terroristen-Prozess wird wohl ausgesetzt Weiterer Angeklagter
soll vor Gericht
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Terroristen-Prozess wird wohl ausgesetzt
Weiterer Angeklagter soll vor Gericht
Der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der
Revolutionären Zellen (RZ) endet offenbar noch vor dem Verlesen der
Anklageschrift. Richterin Gisela Hennig kündigte am Donnerstag an, den
Prozess wahrscheinlich auszusetzen. Ihre Entscheidung will sie kommenden
Donnerstag mitteilen. Der Prozess würde dann im Mai neu aufgerollt, um
ihn mit dem Verfahren gegen Rudolf Schindler zu verbinden. Der
58-Jährige muss sich dann wie die Beschuldigten Sabine E. (54), Harald
G. (52), Axel H. (51) und Matthias B. (52) wegen diverser Anschläge
verantworten. Dabei handelt es sich unter anderem um die in den 80er-Jahren
verübten so genannten Knieschussattentate auf den damaligen Leiter der
Ausländerbehörde Harald Hollenberg und den Verwaltungsrichter
Günter Korbmacher. Die Anklage stützt sich fast
ausschließlich auf die Aussage des ehemaligen RZ-Aktivisten und
Kronzeugen Tarek Mousli.
Die Bundesanwaltschaft hält Schindler für einen Rädelsführer
der RZ. Im Frankfurter Opec-Prozess wurde er jedoch freigesprochen.
Daher sah das Berliner Kammergericht den Fall als erledigt an. Dem
widersprach jetzt der Bundesgerichtshof. Im Opec-Prozess seien lediglich
in Frankfurt begangene Straftaten zur Sprache gekommen, hieß
es. Schindler wird in Berlin gemeinsam mit seiner Frau, der Angeklagten
Sabine E., vor Gericht stehen. Sie haben vor einem Jahr im Gefängnis
geheiratet. Schindler wurde am Freitag erneut verhaftet, die anderen
Angeklagten sitzen seit 16 beziehungsweise elf Monaten in Untersuchungshaft.
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